Marstall

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Den nördlichen Abschluß des ehemaligen Lustgarten bildendes und am östlichen Anfang der Breiten Straße stehendes Bauwerk.


1685 von Johann Arnold Nering als Orangerie erbaut und 1714 unter König Friedrich Wilhelm I. zu einem Stall für die königlichen Reitpferde umgewandelt worden.

Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff gab dem Bau 1746 seine heutige Form, in dem er das Gebäude um zwölf Achsen nach Westen verlängerte und die langgestreckte Front (33 Achsen) durch zwei Risalite rhythmisch gliederte sowie die Enden durch je einen Kopfbau abschloß. Die Pferdegruppen auf den Attiken sind Werke von Friedrich Christian Glume. Marstall und Stadtschloß wurden durch die sogenannte Ringerkolonnade verbunden.

Von 1977 bis 1980 wurde der ehemalige Marstall von Bauhandwerkern und Restauratoren der polnischen Staatlichen Denkmalpflege (PKZ) im Äußeren in der Knobelsdorffschen Form wiederhergestellt und im Innern in Zusammenarbeit mit Betrieben der DDR zu einem Filmmuseum ausgebaut. Im April 1981 konnte das Museum eröffnet werden (Erinnerungstafeln mit den Porträts von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff und von Friedrich Christian Glume im östlichen Durchgang fertigte Rudolf Böhm). In den ständigen Ausstellungen "Entwicklung des deutschen Films von 1895 bis 1980" (1983 fertiggestellt) und "Filmtechnik von den Anfängen bis zur Gegenwart" wurde das Werden des Mediums Film von der Jahrmarktbelustigung bis zur Herausbildung und Vollendung einer einer anspruchsvollen Kunstgattung verdeutlicht. wechselausstellungen zu speziellen Themen ergänzten das Angebot. Im Museumskino (118 Plätze) finden Tages- und Abendveranstaltungen statt. Am östlichen Ende des Gebäudes entstand ein "Filmcafe" mit ca. 36 Plätzen.



1769

Der Königl. Stall ist unter Churf. Friedrich Wilhelm von Nehring zur Orangerie erbauet worden. Die Bauart ist dorisch. Da König Friedrich Wilhelm den Lustgarten niederreissen ließ, so ward dis Orangeriehaus zum Stalle gebraucht, und ward auch eine engländische Schmiede darin angelegt. Der itztregierende König ließ die über den Thüren stehende Gruppen von Pferden und Figuren darauf setzen. (1)


1789

Zu Umschaffung des ehemaligen Orangehauses am Lustgarten, welches im jahr 1675 von Nering erbauet worden war, zu einem Stall für die königlichen reitpferde, und zu Verlängerung desselben schickte der König bereits am 12ten Fenruar durch Fredersdorfen 11.085 Tahler an Neubauern.

Dieses ehemalige Orangehaus war gegen den Lustagrten zu nach dorischer Ordnung aufgeführt, die Pilaster aber nach der gewöhnlichen Verhältniß zu ihrer Höhe, die nur ein Stockwerk betrug, sehr flach, nämlich 4 Zoll vorgelegt, ungeachtet es bessern Ansehens wegen viel mehr hätte seyn können. Eben so flach war auch der Architrav und das Hauptgesimse. Die Ordnung sollte unverändert beybehalten, das gebäude aber bis an die im vorigen Jahre angelegte Grenzmauer zwischen dem Lustgrten und dem schlosse verlängert werden. knobelsdorf ließ also durch Krügern einen Entwurf machen, nach welchem dieses ganze verlängerte Gebäude in seiner Mitte gegen den Garten ein Risalit von 6 Wandsäulen mit Rustickbanden, oder bassagen, (von den Werkleuten blockirte Säulen genan nt, welches aber nur alsdann statt haben möchte, wenn die Banden nicht mit der Rundung der Säulen herum gingen, sondern würklich gevierdte Blöcke wären,) und desen Giebel gegen die Mammonsstraße zu ein dergleichen Risalit mit 4 solchen Säulen erhalten, zugleich aber beider Hauptgesims mehrern Sprung mit Dielenköpfen, und die Attiken kolossale Verzierungen von Pferden- und Menschengroupen erhalten sollten, damit dadurch das Ganze sich mehr heben, und ein besseres Ansehen erhalten sollte.

Der Bau ward zeitig im Jahre angefangen, und während dem, daß die Steinmetzen Plinten, Säulen mit mehreren Schaftgesimsen und Kapitälern, auch Architraven und hauptgesimsen an der äußern Gartenseite, desgleichen sandsteinerne Krippen und Abzugsrinnen innenher verfertigten und versetzten, kam auch der Bildhauer Glume nebst seinen Gehülfen mkit den von ihm übernommenen Arbeiten, nach den genehmigten Modellen zu Stande.

Diese Bildhauer Arbeiten bestunden hauptsächlich in Folgenden:

Zwey Pferdegroupen auf das mittlere Risalit gegen den Lustgarten von 15 Fuß lang und 14 Fuß hoch, nebst vier menschlichen Figuren, neunfüßiger Proportion, welche die Pferde halten. Dafür erhielt er 3.012 Thaler.

Zwey dergleichen in eben der Proportion von 13 Fuß lang und 10 Fuß hoch, welche mit 1.096 Thaler bezahlt wurden. Außerdem vier Schlußsteine über die Thüren und vier Tragsteine mit darauf stehenden Brustbildern.

Die Seite gegen die Straße vom Schlosse nach der Mammonsstraße blieb wie vorher ganz einfach, nur daß noch ein Halbgeschoß darauf kam, und das Dach, jedoch nicht auf eine gute und dauerhafte Art erhöhet und verändert wurde, wie die nachherigen vielen Reparaturen ausgewiesen haben.

Berger hatte unter Baumann und Hildebrandt die Unteraufsicht, und Andreas Krüger bekam auch hier auf Knobelsdorfs Assignation, für viermonatliche Zeichnungsarbeiten 48 Thaler zur Vergütigung. (2)



Einzelnachweise

(1) Friedrich Nicolai: Beschreibung der Königlichen Residenzstädte Berlin und Potsdam und alle daselbst befindliche Merkwürdigkeiten. Nebst einem Anhange, enthaltend die Leben aller Künstler, die seit Churfürst Friedrich Wilhelms des Großen Zeiten in Berlin gelebet haben, oder deren Kunstwerke daselbst befindlich sind, Berlin bey Friedrich Nicolai, 1769, S. 505 f.

(2) Heinrich Ludwig Manger: Baugeschichte von Potsdam, besonders unter der Regierung König Friedrichs des Zweiten. Erster Band, welcher die Baugeschichte von den ältesten Zeiten bis 1762 enthält, Berlin und Stettin, bey Friedrich Nicolai, 1789, S. 57 bis 59