Die Stadtkirche zu Potsdam

bis Ende des 16. Jahrhunderts

 

Bei unseren Nachforschungen über die Geschichte der Potsdamer Stadtkirche beziehen wir uns auf Publikationen zu diesem Thema von Herrn Andreas Kitschke (Dipl.- Ing. für Hochbau, u. a. bauhistorische Forschungen zu Kirchen), Herrn Dietmar Beuchel (ehemaliger Pfarrer der Nikolai- Kirche in Potsdam) und Herrn Friedrich Backschat (Chronist in Potsdam).
Hauptsächlich beziehen wir uns auf den Bericht Friedrich Backschats, "Die Stadtkirche zu Potsdam, kurzer Abriss ihrer Geschichte", erschienen in den MVGP, Bd. 9, Teil 4 (Neue Folge 1908), der Grundlage unserer Rekonstruktionsversuche ist, da aus dieser Zeit wenige Fakten überliefert sind.

Zunächst waren es sicherlich, wie in anderen Städten und Dörfern nachgewiesen, nur wenige deutsche Siedler, die eine dorfähnliche Siedlung angelegt haben. Diese Siedlung hatte zunächst wahrscheinlich nur eine kleine Holzkirche und einen Friedhof im Bereich der späteren Katharinen- bzw. Nikolaikirche.

Das älteste bekannte Schriftzeugnis einer Kirche in Potsdam erwähnt im Landbuch Kaiser Karl IV. (1375/78) die Pfarrkirche (ecclesia parochialis) Potsdams. Ein Name der Kirche wird nicht erwähnt. Ob die erste Kirche Marien-, Katharinen-, oder auch schon Nikolaikirche hieß, wissen wir nicht genau. Der Einfachheit halber sprechen wir hier von der Katharinenkirche, da sie von den Chronisten oft so genannt wird.

Die Baugeschichte der Stadtkirche lässt sich in die folgenden Perioden aufgliedern:

einfache Holzkirche 
einfache Feldsteinkirche
Kirche des 13. Jahrhunderts - romanische Basilika mit quergelagerten Westwerk
Erweiterungen des 14. und 15. Jahrhunderts - dreischiffige gotische Hallenkirche.
Nach dem Konfessionswechsel 1539 Einbau einer Kanzel und Aufsetzen einer Renaissancehaube auf dem romanischen Turm.
1721 Abriss der Kirche und Neubau der Nikolaikirche

Auf der Memhardtschen Stadtansicht (um 1672) ist die Katharinenkirche völlig freistehend dargestellt. Auch wenn die Zeichnung einen kleinen Maßstab hat, so ist die Kirche doch vollkommen deutlich zu sehen und diente Backschat neben anderen Unterlagen dazu, ein klares Bild von ihr zu beschreiben.

Nach den behauenen Granitsteinen, ihrem Baumaterial, zu urteilen, wurde die Kirche gegen Ende des 13. Jahrhunderts erbaut. Die baulichen Veränderungen im Laufe der kommenden Jahrhunderte gaben der ursprünglichen kleinen Feldkirche ein imposanteres Aussehen. Zunächst wurde die Kirche, wie zu vermuten ist, nach Osten hin erweitert, das so entstandene Schiff mit einem polygonalen Chore geschlossen, und im Westen ein massiver, viereckiger Turm vorgelagert. Zu diesen Veränderungen trugen Stiftungen von Altarlehen, welche seitliche Anbauten zur Schaffung von Nebenkapellen notwendig machten und die Erweiterung der Stadt bei. Vor allem der zweite große Brand 1550 scheint der Kirche, besonders aber ihrem Turme geschadet zu haben, denn nach Ausweis der Kämmereirechnung von 1571/ 72 werden in der Wohnung des Turmwächters bedeutende Reparaturen vorgenommen. Wie die Kirche nach all diesen  Veränderungen ausgesehen hat, zeigt uns die Memhardtsche Ansicht.

Blick auf Potsdam und auf die Fasanerie aus der Vogelperspektive. 
Kupferstich von J. G. Bartsch nach J. G. Memhardt, 1672. (1)

Zunächst ihr Äußeres. Wir sehen ein Längsschiff, östlich geschlossen durch einen polygonen Chor. Strebepfeiler, auf jeder Seite drei, fangen den Druck der Gewölbe auf. An  die Südseite lehnt sich ein kleiner Anbau unter Pultdach. Einen dem entsprechenden Anbau gibt es auch auf der Nordseite.. Der Turm, wie schon vorher erwähnt, dem Schiffe auf der Westseite vorgelagert, ist in Höhe des Kirchendaches mit einem Walmdach, aus dem eine Laterne mit Kuppeldach herauswächst, abgeschlossen. Hier wohnt der Turmwächter, hier hängen auch die Glocken und die im Jahre 1571 vom Nonnenkloster zu Spandau erkaufte Uhr.

Dem schmucklosen Äußeren entsprach das Innere. Es machte mit seinen erst nach der Reformation dreifach übereinander gebauten Emporen, die "bis an die Decke gingen", den verstaubten Nebenaltären und Totenschildern einen unfreundlichen Eindruck. Ihre Gewölbe waren mit Särgen überfüllt. Die Decke war bis zur Kanzel hin gewölbt, d.h. vom Chor aus gerechnet, von da ab mit einer Balkendecke versehen. Der letztere Teil der Kirche war also vermutlich der älteste.

Wenn man einem Inventarstück größeren Wert beimessen konnte, so war es der prächtige Flügelaltar, der um 1591 in der Kirche aufgestellt  wurde, und bei dessen Herstellung Hans und Heinrich von Lindenau, deren Vater, der kurfürstliche Rat und Hauptmann auf Saarmund, in der Pfarrkirche beigesetzt war, um einen Beitrag von 100 Talern ersucht wurden. Der in einem Schreiben des Rats und Vorstehers des Gotteshauses auf 200 Taler veranschlagte Altar scheint der selbe zu sein, den noch Gerlach gekannt und uns beschrieben hat. Danach  war er ein Flügelaltar. Auf dem Hauptbild war Maria mit dem Jesuskind, auf den beiden Flügeln waren die 12 Apostel dargestellt. Unter dem Hauptbild standen die holzgeschnitzten Figuren der vier großen Propheten, den Altaraufsatz schloss nach unten hin ein Gemälde ab, das Abendmahl darstellend. Wo neben dem Altar der Kalkputz von den Wänden gefallen war, sah man noch Reste vorreformistischer Wandgemälde.

Die Kanzel, auf einer steinernen Säule ruhend, zeigte in ihren Füllungen die Bilder Christi und der Apostel, auch ihren Schalldeckel zierte das Bild des Erlösers. Der Taufstein war modern, erst am 3 September 1682 wurde er eingeweiht, gelegentlich der Taufe des Kindes eines Schweden, namens Andreas Becker. Eine Orgel finden wir schon im 16. Jahrhundert in der Kirche erwähnt. Von Orgelreparaturen ist in den Jahren 1909, 1636 und 1704 die Rede.

Die Sitze der Frauen befanden sich unten im Schiff der Kirche, während die Männer auf den 3 Emporen, der Kanzel gegenüber, dem Gottesdienst beiwohnten.
In der Sakristei stand der mit drei Schlössern versehene Gotteskasten.
Ein Kirchhof ohne Schranken umgab die Kirche. Erst im Jahre 1600 wurde er eingefriedet, damit nicht auf ihm, wie bisher, die Schweine der Bürger ihr Unwesen trieben.
Die Reparaturpflicht an der Kirche, dem Pfarrhaus und der Wohnung des Kaplans (später diaconus) oblag dem Rate der Stadt. Die zur Parochie gehörigen Dörfer mussten natürlich gleichfalls beisteuern. Die Kiezer waren bis zum Jahre 1600 nur zur Zahlung des Vierzeitenpfennigs verpflichtet. Zur Parochie gehörten schon von alters her die Dörfer Bornstedt, Stolpe, Neuendorf, Glienicke, Nedlitz und der Kietz von Potsdam.

Der Abbruch der Katharinenkirche erfolgte im Jahre 1721. (2)


(1)Quelle: Potsdamer Schlösser in Geschichte und Kunst, 4. Auflage, Leipzig (Brockhaus Verlag) 1984, S. 13
(2)Bericht Friedrich Backschats, "Die Stadtkirche zu Potsdam, kurzer Abriss ihrer Geschichte", erschienen in den MVGP, Bd. 9, Teil 4 (Neue Folge 1908), S. 111- 117

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