Der Katharinenbau 1598 - 1687

 

Alle Nachrichten aus dem ausgehenden 16. Jahrhundert betonen den ruinösen Zustand der Potsdamer Burg. Wahrscheinlich musste man sich noch immer mit dem aus dem 14. Jahrhundert stammenden Gebäude begnügen. Dieser Zustand änderte sich gründlich im Jahr 1598.

Kurfürst Joachim Friedrich (1598-1608) verschreibt seiner Gemahlin Katharina (gest. 1602) am 11.02.1598 das Amt Potsdam mit seinen Einkünften. Die Kurfürstin ist damit auch Eigentümerin des Schlosses in Potsdam. Schon 5 Tage später, am 16. Februar 1598 begann man mit dem Abbruch des “alten Hauses” (die bisherige Burg- bzw. Schlossanlage). 

Am  06 April 1598 begann man mit dem Bau eines neuen Gebäudes (dem sogenannten “Katharinenbau”).
Baumeister war V. Herkloz. Am 04. Oktober 1598 wurde der Bau fertiggestellt. Zum Sommer 1599 waren auch die Malerarbeiten fertig.

 

Beim Abriss des Stadtschlosses 
entdecktes mittelalterliches Feldsteinmauerwerk des Katharinenbaues(1)

 

Kurfürstin Katharina von Brandenburg (1549-1602)
 Gemälde von Nathan Mau (?), um 1602. SPSG(2)

Rekonstruktion des Katharinenbaues 1598/99. Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege(3)

 

Das jetzt als Schloss zu bezeichnende Gebäude, der "Katharinenbau", hatte eine Länge von etwa 60 m und eine Breite von etwa 14 m, und war mit seiner östlichen Schmalseite in die Ringmauer eingebunden, bzw. sie wurde sogar durchbrochen. Das hat zu der nicht unberechtigten Annahme geführt, dass dieser neue Schlossbau wesentlich größer als das frühere aus dem Mittelalter stammende Gebäude war (siehe auch Seidel, Stadtschloss, S. 146). Warum allerdings die Vergrößerung so asymmetrisch innerhalb des Mauerkarrees erfolgte, lässt sich nicht mehr nachvollziehen. Der Mauerzug mit den 4 Rondells und mit dem alten quadratischen Turm ist geblieben.

Das Haus hatte 3 Geschosse mit insgesamt 12 Erkern im Dach. Auf der nördlichen Seite stand neben einem Vorbau etwas nach Westen aus der Mitte versetzt ein Treppenturm, der die Geschosse verband. In der Baurechnung der Jahre 1598/99 wird davon gesprochen, dass > das alte Wohnhaus Potsdam niedergerissen und ein Fundament zum neuen Gebäude gelegt worden sei < (siehe auch Fidicin, S. 97). Das steht im Gegensatz zu Mielke, der annimmt, dass man den Keller des Vorgängerbaues übernommen hat
(siehe auch Mielke, Potsdamer Baukunst, S. 9).

Das Haus hatte 38 Räume, von denen 15 beheizbar waren. Im Erdgeschoss befand sich neben gewölbten Räumen für den Amtschreiber im östlichen Teil die über 2 Stockwerke reichende Schlosskirche. Im ersten Obergeschoss lagen vor allem die Räume des Amthauptmannes. Das 2. Obergeschoss nahmen ein großer Saal und die Wohnräume des Kurfürsten und der Kurfürstin, sowie eine sogenannte Tafelstube ein. An der Südseite des Hauses waren 4 Sekrete, an der Westseite 1 Sekret (Aborterker) angebaut.
Das Dachgeschoss, (die Räume für die Dienerschaft), war wohl nie ausgebaut worden, denn im Inventar von 1650 wird davon gesprochen, dass in den > 39 Fensterlöchern niemaln einige Glasefenster darin gewesen sein < (siehe auch Fidicin, S. 105). Die Kurfürstin kann also ihr Potsdamer Besitztum nicht genutzt haben.

Über die Einrichtung des Schlosses, dass im Ausbau und in der Ausschmückung wohl nie ganz vollendet war, geben die Inventare von 1611, 1645 und 1650 Auskunft. Der Maler und Schriftsteller August Kopisch (1799- 1853) versuchte mit seiner 1851 gemalten "Ansicht Potsdams im 17. Jahrhundert" eine Rekonstruktion der Stadtanlage mit dem Schloss der Kurfürstin Katharina (siehe auch Öl auf Leinwand,
90 x 90 cm, A. Kopisch 1851, SPSG, Potsdam, Schloss Sanssouci [Damenflügel], GK I 45 38).(4)

Rekonstruktion des Grundrisses des Katharinenbaues 1598/99. 
Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege(5)

Die Ansicht des Katharinenbau haben wir uns etwa so vorzustellen, wie die gleichzeitigen Gebäude in Berlin: das Hofapothekengebäude von 
R. V. Linar (1585) oder den Schlossplatzflügel Johann Georgs (1593- 1595). Es ist zwar anzunehmen, dass der Potsdamer Bau nicht so reich dekoriert war wie das Schloss Joachim II., aber er hatte wie dieses 3 Vollgeschosse und stehende Gauben oder sogar Giebelgauben mit reichen Fronten. In einem Punkt jedoch unterschieden sich die Schlossbauten in Berlin und Potsdam grundsätzlich voneinander. In der Hauptstadt gab es bereits moderne "italienische Stiegen", dass heißt zweiarmig gegenläufige Treppen. In Potsdam dagegen dominierte noch der vom Mittelalter her übernommene Wendeltreppenturm vor der Fassade. Er stellte eine Entwicklungsstufe dar, die  um die Mitte des
16. Jahrhunderts noch als zeitgemäß gelten durfte. Die Wendelsteine vor den Hoffronten der unter Joachim II. gebauten Schlossflügel 
(1528- 1540) sind Beispiele dafür.(6) 

Dann, während des 30- jährigen Krieges schenkten die Kurfürsten dem Schloss keine Beachtung. Viele Scheiben des Schlosses waren zerbrochen, im Untergeschoss werden Stube und Kammer als Hühnerhaus benutzt und sind > voller unflat <, der steinerne Fußboden in der Kirche ist zerschlagen, weil dort Korn gedroschen wurde. An den meisten Türen fehlen die Schlösser und der Kalk ist von den Wänden abgefallen. Das Dach ist desolat und die Sparren und Latten sind verfault. Auch die anderen Gebäude und die Mauer mit den Türmen,
hier als > Rondelle < bezeichnet, waren stark reparaturbedürftig. Das Mauerwerk um das Schloss > ist noch gut, oben auf aber durch den Regen die Steine losgeweichet, und stehen fichten und andere bäume darauf < (alle Zitate bei Fidicin, S. 99- 109).(7)

Im Frühjahr 1661 erfolgte dann der teilweise Abbruch des 4. Potsdamer Schlossbaus, des “Katharinenbaus”, unter Leitung von G. Memhardt. 1662 - 1687 erfolgte der Bau und Umbau des Potsdamer Stadtschlosses (5. Schloss) unter den Architekten Philippe de Chieze (1629-1673), Johann Georg Memhardt (1615?-1678) und Johann Arnold Nehring (1659-1695).(8)

 

 

(1)Quelle: Geisler, Horst/ Grebe, Klaus: Poztupimi - Potstamp - Potsdam. Ergebnisse archäologischer Forschungen. Brandenburgisches Landesmuseum für Ur- und Frühgeschichte, Potsdam 1993, S. 63, Abb. 52
(2)Quelle: Giersberg, Hans-Joachim: Das Potsdamer Stadtschloss, Potsdam (Potsdamer Verlagsbuchhandlung GmbH) 1998, S. 11, Abb. 4
(3)Quelle: Giersberg, Hans-Joachim: Das Potsdamer Stadtschloss, Potsdam (Potsdamer Verlagsbuchhandlung GmbH) 1998, S. 12, Abb. 5
(4)
Quelle: Hans-Joachim Giersberg: Das Potsdamer Stadtschloss (Potsdamer Verlagsbuchhandlung 1988, Brandenburgica K 121), S. 12
(5)Quelle: Giersberg, Hans-Joachim: Das Potsdamer Stadtschloss, Potsdam (Potsdamer Verlagsbuchhandlung GmbH) 1998, S.13, Abb. 6
(6)Quelle: Friedrich Mielke: Potsdamer Baukunst, das klassische Potsdam, S. 9
(7)Quelle: Hans-Joachim Giersberg: Das Potsdamer Stadtschloss (Potsdamer Verlagsbuchhandlung 1988, Brandenburgica K 121), S. 14
(8)Quelle: Potsdam. Daten und Ansichten zur Geschichte der Stadt, Potsdam-Museum, Potsdam 1993

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